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Tobago Autovermietung

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EIN AUTO MIETEN IN TOBAGO

Fortbewegungsmittel
Falls Sie die Insel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden wollen, ist das generell eine schlechte Idee, außer Sie sehen sich nur da die Umgebung an, wo der Bus hält. Meist ist das unattraktiv für Gäste. Natürlich nicht, wenn da eine Tante, Oma oder Bekannte wohnen. Wenn nur ein paar Busse täglich in eine Richtung fahren, ist der Ausstieg in einem Weiler wie z.B. Goodwood recht sinnlos, nur wissen Sie das natürlich vorher nicht. Darum sei es hier erwähnt. Wenn Sie nach zehn Minuten feststellen, dass es außer 36 Häusern und einem Rumshop (geschlossen oder mit drei lallenden, männlichen Tobagoniern bestückt, die Ihre Sprachprobleme so richtig zum Vorschein bringen), nichts zu erkunden gibt und das Meer 50 Meter unter Ihnen an eine felsige Küste brandet (zu der kein sichtbarer Pfad hinunterführt), ist das ärgerlich. Noch ärgerlicher wird es, wenn die einzige Holzbude, die so aussieht, als verkaufe sie Ess- und Trinkbares, darunter fettige Kartoffelchips in der Tüte, abgepackte Weißbrotschnitten (man hüte sich vor dem Hersteller ‚Kiss', man kann alle 24 Schnitten mit einem Fausthieb zu einer handtellergroßen Scheibe schlagen), Pfefferminzbonbons und heftig gezuckerte Limonaden versteht. Ungekühlt, weil der Kühlschrank kaputt ist. Als Dreingabe erzählt man Ihnen, dass der nächste Bus vielleicht in zwei Stunden vorbeikommt. Ihr Tag (und Ihre Laune) ist wahrscheinlich im Eimer. Außer Sie sind sehr hartgesotten und trotten zum nächsten Weiler, um festzustellen, dass es da genauso aussieht. Nur kommt bis dahin vielleicht der nächste Bus. Wie gesagt, Goodwood war nur ein Beispiel. John Dial, Mt. St. George, Belle Garden, Richmond, Argyle, Louis d'Or, usw. usw., um nur einige zu nennen, sind genauso strukturiert.

Der Fahrplan der öffentlichen Busse sollte am Busbahnhof in Scarborough aushängen, der sich auf dem Gelände der Sangsters Hill Mall befindet. Sie können die Tickets aber nicht im Bus kaufen. Dies müssen Sie vorher erledigen, am Busbahnhof, in Läden oder an Kiosken, fragen Sie einfach.

Private Kleinbusse (Maxi Taxis) werden immer seltener. Die Kleinbusse waren einst ein beliebtes Fortbewegungsmittel, aber nachdem auch in Tobago immer mehr Menschen pünktlich in der Arbeit sein sollten, fahren die meisten Maxi Taxi Besitzer entweder Schulkinder, oder sie arbeiten als Ausflugsbusse mit Hotels zusammen. Früher wusste man recht genau, wann die Maxi Taxis wohin fuhren (mit 1-2 Stunden Zeitverschiebung, das war normal). Jetzt funktioniert das nicht mehr. Es haben auch viele tobagonische Haushalte ein Auto und Maxi Taxi Besitzer mussten sich notgedrungen andere Erwerbsquellen suchen.

Straßentaxis: dazu siehe auch das Kapitel ‚Das Auto'. Generell sei an dieser Stelle dazu gesagt: sie sind unzuverlässig, laut (Musikpegel), heiß, eng und unsicher. Bestimmte Fahrer fahren nur bestimmte Strecken, dann müssen Sie umsteigen und wieder an der Straße (in der Sonne) stehen und mit dem Arm wedeln. Früher, so ungefähr bis Mitte der 90ger Jahre war der Fahrstil in Tobago im Vergleich zu vielen anderen Ländern rücksichtsvoll, den Straßenverhältnissen angepasst und gemächlich. Mit dem sprunghaften Anstieg von Autofahrern (vor allem jungen Fahrern) und neuen, schnelleren Autos hat sich dies leider zum Negativen hin verändert. Wenn Ihr Straßentaxi mit 120 Stundenkilometern in der zweiten Reihe überholt, werden Ihre Hilferufe möglicherweise in Rapbässen erstickt. Bei Gegenverkehr.
Man mag über die Italiener sagen was man will, als Autofahrer zeigen sie außer der Beherrschung der Fahrkunst eine gewisse kriminelle Eleganz. Man stirbt sozusagen mit Stil. Tobagonische Fahrer zeichnen sich durch einen völligen Mangel derselben Eigenschaften aus. Eine Horde schwergeschädigter Dorftrottel, die noch nie hinter einem Steuer saß, klauen ein paar Autos und fahren los. Sturzbetrunken. Dieser Vergleich drängt sich häufig auf, da hilft nichts. Und jegliche Hassmail nehme ich hiermit in Kauf, alle guten Fahrer werden mir Fanmails schicken. Wenn ich mir's recht überlege: die anderen lesen sowieso nicht, die überholen gerade in dritter Reihe.

Radeln ist generell auch eine schlechte Idee. Wenn Sie nicht gerade für die nächsten Olympischen Spiele trainieren oder ausgesprochener Radfanatiker sind, vergessen Sie es. Auch die Fanatiker sollten bereits in den Tropen geübt haben. Sie können noch so gut trainiert sein, aber spätestens ab 10 Uhr morgens, wenn die Sonne brennt, und Sie sich von einem Schlagloch zum anderen fluchen, immer auf der Hut, ob nicht ein wahnsinniger Autofahrer um die nächste unübersichtliche Kurve geschossen kommt (der gerade ein anderes Auto überholt), werfen Sie das Rad in die Ecke. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, sie müssen literweise Trinkwasser und Ihr Flickzeug (bei platten Reifen) mitführen. Sie schwitzen wie wahnsinnig und der Kreislauf macht schlapp. Die Aussicht ist zwar toll, aber Ihr Blick sollte nicht schweifen, sondern strikt an der nächsten Kurve oder auf dem Asphalt kleben.
Radfreundlicher ist die Gegend um den Flughafen, Mt. Irvine und Plymouth bis Arnos Vale, Lowlands usw. Ab Scarborough nordwärts wird es haarig, und zwar auf beiden Seiten der Insel. Die Räder, die Sie hier mieten können, sind unberechenbar. Wenn Sie ein neues erwischen, ist das fein, aber sehr lange neu sind die wenigsten.

Motorräder mieten siehe oben, aber Sie brauchen auch für kleine Scooter in Tobago den Motorradführerschein. Relativ teuer sind die kleinsten auch schon. Vergessen Sie auch nicht, kurz vorher das Krankenhaus zu besichtigen, nur damit Sie im Falle des Falles nicht nervös werden.

Die attraktive Alternative ist entweder eine geführte Inseltour (z.B. mit Sunbird Holidays) oder ein netter, bequemer Mietwagen. (Darum haben auch so viele Tobagonier Autos. Unsportlich sind sie eigentlich nicht.) Es sind die schönsten und entspannendsten Formen, die Insel zu erkunden. Achtung: Linksverkehr! Manch einer mag jetzt denken: klar, dass sie das sagt ( die Autorin), ihr gehört ja eine Mietwagenfirma. Richtig? Falsch. Zuerst war da die Unterkunftsagentur. Nach einem Jahr unzähliger Hilferufe nach einer zuverlässigen Autovermietung konnten wir es nicht mehr mitansehen, wie andere Mietwagenfirmen mit unseren Gästen ihr Einkommen mehrten. Da haben wir dann reagiert. Markt und Nachfrage, nicht wahr?

Generell ist der öffentliche Nahverkehr in Tobago unzuverlässig, unregelmäßig und zeitraubend, vor allem am Abend, an Wochenenden, an Feiertagen und in bestimmten Gegenden

Das Auto, die wahre Geliebte Ein Gast hat dieses Verhältnis einst ungemein treffend formuliert. Er weigerte sich zwei Tage lang, ein Auto zu mieten. Am dritten Tag meinte er haareraufend: "Tobago ohne Auto ist wie ein Klo ohne Spülung." Ich bitte ihn hiermit um Entschuldigung, ich habe seinen Namen vergessen. Er sollte hier lobend erwähnt werden. Man kann natürlich auch Taxi fahren. Manche haben sogar schon ein Taxischild auf dem Dach. Das sind die ‚Offiziellen'. Sie kosten wesentlich mehr als ‚Straßentaxis', dafür haben sie auch deftige Unkosten (Vollkasko, Registrierung etc.). Das heißt, sie bestreiten mit dieser Tätigkeit einen Lebensunterhalt. Es existieren auf Tobago drei verschiedene Arten von Taxis. Bei zweien davon beginnt das Nummernschild mit ‚H' (für hired = gemietet). Entweder es handelt sich um ein Einzeltaxi (teurer, da es nur auf Bestellung fährt, siehe oben), man kann sie auch vor Hotels warten sehen. Oder es sind offizielle Straßen-/Sammeltaxis, die bis zu vier bis fünf Passagiere aufsammeln und auf Zuruf wieder absetzen (billiger, aber zeitaufwendiger und unbequemer). Das Nummernschild der dritten Art beginnt mit ‚P' für ‚private', wie auch normale Privatautos. Diese Art Straßentaxi ist also ein Privatauto, dessen mehr oder minder fahrbegabter Fahrer (nicht unbedingt Besitzer) vier bis fünf Menschen in sein Auto stopft und möglichst schnell, rücksichtslos und mürrisch einige der wenigen Straßen auf und abfährt. Solange er Lust und Zeit dazu hat. Oder Geld fürs Benzin. Im Volksmund werden sie auch ‚pirate taxi' (Piratentaxi) genannt. Die Fahrer sind sogenannte ‚PH'Driver (PH = private hire, ausgesprochen ‚pi aitsch' ). Ihre Tätigkeit nennt sich im Volksmund auch ‚pull bull' (= den Stier ziehen', im übertragenen Sinn heftig und kräftig das Auto auf- und abbewegen). Sie sind entweder gerade knapp bei Kasse, oder sie wollen generell ihr Einkommen etwas anheben. Sie bewegen sich in einer versicherungstechnischen Grauzone, und sehr viele junge Fahrer meinen, auf diese Weise finanziell überleben zu können. Ganz abgesehen davon, dass ein Auto in Tobago zur Vervollkommnung des männlichen Image unverzichtbar ist. Falsch, das I-Tüpfelchen sind coole, blitzende Speichen. Ja ja, also nicht nur in Tobago, ist ja gut.

Woah, da sah ich doch neulich in der Auslage eines Autozubehörladens eine Spraydose. Zuerst dachte ich an Fliesenreiniger. Dann las ich die Aufschrift ‚Black and Wet'. Ein schwarzes Spray für Fliesen? Weit gefehlt, man sprüht es auf Autoreifen ‚For a shiny, wet and black look.' Einfach toll, auf was Männer so stehen...

Zurück zu den ‚PH-Cars': die Fahrer sehen am Ende des Tages ein faustdickes Bündel roter Ein-Dollar-Scheine und verdrängen die Kosten für Instandhaltung, gute Reifen und Bremsen. Ein durchschnittlich ‚arbeitendes' Straßentaxi, (sechs Tage die Woche, etwa acht Stunden täglich), bräuchte eigentlich einen kompletten Satz Reifen und Bremsbeläge pro Monat, um nur die wichtigsten Teile zu nennen. Eine unsinnige Investition, meinen viele. Aquaplaning? Ist das ein neues Getränk? Erst die Musikanlage für TT$ 10.000 abbezahlen, DIE gehört in ein richtig männliches Auto. Die meisten Tobagonier sprechen von ihrem Auto als einer ‚SHE'. Oder machen das andere Nationalitäten auch?

Es gibt Fahrer, denen der Wagen nicht gehört, sie fahren für den Besitzer. Der Besitzer erhält einen festgelegten Tagessatz, den Rest kann der Fahrer behalten. Wenn der Verdienst allerdings darunter liegt, zahlt der Fahrer drauf. Man fährt üblicherweise fünf Tage für den Besitzer, ein Tag geht in die eigene Tasche, ein Tag steht der Wagen. Benzinkosten gehen zu Lasten des Fahrers, Instandhaltung und Versicherung ist dann Sache des Besitzers. Der Deal ist durchaus fair. Autos im allgemeinen (auch gebrauchte) und manche Ersatzteile sind auf der Insel schwindelerregend teuer. Taxifahrten in Straßen-/Sammeltaxis, so heiß und nervtötend sie sein mögen, sind unentbehrlich zu Studienzwecken. Mindestens ein oder zweimal sollte sich der Besucher diese Art der Fortbewegung schon antun. Damit er ein nettes (gebrauchtes, gut gewartetes) Mietauto auch zu schätzen weiß. In früheren Zeiten empfahl ich die Fahrten aus Gründen der Entspannung und geistigen Zerstreuung, um der Musik willen, des Staunens ob der verschiedenartigen Gestaltungsmöglichkeiten eines Armaturenbretts, des Aufnehmens zwischenmenschlicher Kontakte inner- sowie außerhalb des Autos, des Verkehrsablaufs und der Flora und Fauna um einen her. Man konnte über die Phantasienamen der Autos und die Spitznamen der Fahrer grinsen. Man durfte über die alltäglichen Gebrauchsgegenstände, die eingekauft wurden staunen oder tobagonischem Dialekt bei wilden Diskussionen über ein verlorenes Cricketspiel zuhören. Wenigstens wusste man dabei nie genau, WAS man eigentlich nicht verstand, die Spielregeln oder das Gerede. Für landeskundlich Interessierte waren Taxifahrten immer amüsant. Es konnte passieren, dass der Fahrer sich über Politik, den Begriff ‚Regression im Alter' oder den Familienstand unterhalten wollte. Oder er baggerte einen weiblichen Fahrgast ungeniert an. Manch einer redete auch gar nichts, weil er meinte, Sie verstünden sowieso nichts. Andere hatten Probleme mit Touristen oder waren grantig und müde. Die letzteren sind jetzt in der Mehrzahl. Vielleicht finden Sie ja noch ein paar gemütliche ‚Oldtimer', ich wünsche es Ihnen. Die meisten ‚PH' Driver heutzutage sind jung, schweigend und mürrisch. Wahrscheinlich denken sie, das sei cool. Bezahlen Sie generell erst kurz, bevor Sie aussteigen wollen. Anderes Treiben wäre ‚uncool'. Die Preise sind fix, je nachdem welche Strecke man fährt, erkundigen Sie sich vorher bei Ihrem Gastwirt. Haben Sie kleine Scheine dabei (einzelne TT$-Noten), die Fahrer können selten Hunderter wechseln. Spätestens nach zwei Fahrten mieten Sie sowieso ein Auto, außer Sie stehen auf eine besonders perverse Form der Selbstverstümmelung.

Die Sammelpunkte der Straßentaxis bzw. zentrale Haltepunkte derselben müssen Sie erfragen. Es gab da früher ein lustiges Phänomen in Scarborough an der Ecke der Scotia-Bank. Dort war einst ein relativ fester Haltepunkt in Richtung Mason Hall / Moriah. Ab und zu trat ein Ereignis ein, welches man als sporadisch auftretendes Durchsetzen sinnloser Verkehrsregeln bezeichnen konnte, nämlich ein prinzipielles Halteverbot an dieser Stelle. Man stand am Straßenrand, deutete brav mit dem Zeigefinger nach unten und kein einziges Auto hielt. Als man gerade zu verzweifeln begann, konnte man ein bis drei uniformierte Personen, mit oder ohne Motorrad scheinbar ziellos plaudernd (Liming ohne Bier) an der Hafenmauer schräg gegenüber lehnen sehen. Die Polizei wachte eine nicht vorhersehbare Zeitspanne lang darüber, dass das geltende Halteverbot vorübergehend eingehalten wurde, was den Ablauf des Alltagslebens deutlich verzögerte. Man wanderte also entgegen der gewünschten Fahrtrichtung entspannt die Straße entlang, bis man nach der Biegung die schönen Uniformen nicht mehr ausmachen konnte. Da traf man auch all die anderen wartenden Menschen wieder, die man bereits so schmerzlich vermisst hatte. Auch die Autos hielten dort, etwas uncool gehetzt, aber dennoch. Besagte Polizisten warteten nach Dienstschluss (sofern autolos und im Gebiet Mason Hall / Moriah wohnhaft) selbstverständlich auch am altbekannten Straßenrand und stoppten einen Wagen, um nach Hause zu kommen. Ach ja, lang ist's her!

Heutzutage hat sowieso fast jeder ein eigenes Auto, dafür steht man jetzt im Stau. Ein weiterer Taxiplatz für Fahrten nach Carnbee, die Flughafengegend und andere befindet sich vor dem Hafengebäude, die einst so verworrene Angelegenheit ist etwas strukturierter. Der vorderste Wagen am Anfang der Reihe (man frage nach dem Anfang) fährt meist erst dann, wenn er voll ist, dann rückt der nächste nach. Wenn Sie einen Termin mit einem Flieger haben, sollten Sie das als unbekannten Faktor in die Zeitrechnung miteinbeziehen.

Mit der Gurtpflicht (vorne) wird auf typisch tobagonische Weise umgegangen. Sie wird situationsbedingt gehandhabt. Auf dem ‚Highway' und in größeren Ortschaften steigt die Wahrscheinlichkeit polizeilicher Präsenz. Beim Fehlen dieses Ärgernisses schnallt sich manch einer schon mal ‚ab', z.B. bei Überlandfahrten (bei uns sagt man dazu ‚we go country'). Und alles nördlich unserer großen, blitzenden Weltstadt Scarborough ist sowieso ‚country'. Ein Gurt behindert außerdem beim Grüßen sowie beim Einnehmen einer völlig entspannten Fahrhaltung, die allgemein halb liegend ist, wobei der Arm aus dem Fenster baumelt.

Wie erkennt man denn nun die einzelnen Taxiarten? Tja, schwierig, besonders bei zunehmender Dunkelheit. Diejenigen, die an den Taxiständen parken, sind oft (nicht immer) die teuren, allerdings kann man in bestimmten Fällen einen vernünftigen ‚Deal' aushandeln. Als Beispiel sei der Transport zu und von einer Veranstaltung genannt zu einem vorher festgesetzten Pauschalpreis. Am besten überlassen Sie die Verhandlungen Ihrem Hauswirt. Warum meinen Sie nur immer, dass Sie es besser können? Ein ‚offizieller' Taxifahrer ist wesentlich sicherer und zuverlässiger. Achtung: ab 22.00 steigen die Kosten, wie überall auf der Welt. Also gucken Sie nicht so griesgrämig, es ist ein Auto, keine Rikscha.

Trinkgelder für Transfers sind übrigens auch in Tobago willkommen, vor allem wenn man am Flughafen herumgewartet hat, Zwischenstops bei Supermärkten einlegt, Koffer schleppt und auf dem Weg noch schnell ein paar Witze reißt und Sehenswürdigkeiten erklärt. Seien Sie doch nicht so knauserig, in München, Frankfurt oder wo auch immer runden Sie den Endbetrag doch auch automatisch auf. Himmel noch mal! Zählen Sie da auch den genauen Betrag ab? Fragen Sie doch dort den Fahrer, ob er noch schnell bei Aldi hält (und die Uhr abstellt), wenn Sie gerade aus dem Flieger getrottet sind.

Wenn Sie Straßentaxis benutzen möchten, winken Sie in den fließenden Verkehr hinein, und diverse Autos werden anhalten, sofern Platz ist. Stehen Sie auf der ‚richtigen' Straßenseite, und verrenken Sie sich nicht den Daumen. Strecken Sie den Zeigefinger nach unten oder oben wie in der Volksschule. Stoppen Sie keine Autos, deren Nummernschild mit ‚R' beginnen (= rented, gemietet), das sind registrierte Mietwagen, also Touristen wie Sie oder Einheimische, unterwegs zu einer Hochzeits, -Geburtstags- sonstigen Feier. Dazu mietet man ein Auto, wenn man schon kein eigenes hat. Ja, wie sähe das denn sonst aus? Tante Cassandra und Onkel George sind hinlänglich bekannt für blöde Bemerkungen.

Mit fortschreitender Stunde, an Wochenenden und Feiertagen werden die Transportmöglichkeiten spärlicher. Dann schlägt die Stunde der offiziellen Taxistände, oder der paar Unentwegten, die noch dort ausharren. Der Rest ist, genau, beim ‚Liming'. Oder verdaut das ausgiebige Abendessen. Natürlich können Sie telefonisch z.B. vom Restaurant aus ein Taxi bestellen lassen. Es kann ein wenig dauern, nach einer halben Stunde dürfen Sie noch mal anrufen lassen. Hoffnungslos ist das Unterfangen an Tagen wie Weihnachten, zu der Zeit sollten Sie wirklich ein Auto mieten. Versuchen Sie das auf keinen Fall am gleichen Tag, reservieren Sie Wochen vorher. Mietautos zur Weihnachtszeit, an Karneval und Ostern sind rar, viele Unternehmen vermieten gar nicht erst für einen Tag, oder es sind nur noch die absurd Teuren oder Reparaturbedürftigen übrig. Die Inselbewohner sind an Feiertagen ebenfalls auf der Suche nach günstigen Mietautos. Viele bekommen Besuch von der ausgedehnten trinidadischen Verwandtschaft oder dem Ausland. Übrigens: ‚vehicle' ist ein korrektes englisches Substantiv für ‚Fahrzeug', keine Bezeichnung für eine Schrottmühle.

Als Inselbewohner im Besitz eines eigenen Wagens zu sein, ist fast unerlässlich. Die Kosten für Anschaffung sind immens, dazu kommt die Versicherung, die Gebühr bei Zulassung und Besitzerwechsel (zwischen 200,- und 1000,- Euro, bei Gebrauchtwagen je nachdem wann der Wagen das erstemal auf der Insel zugelassen wurde), Benzin (spottbillig!!! Wir sind in der OPEC!) und Instandhaltung (schwierig). Vor allem bei den Straßenverhältnissen. Wenn Sie uns noch so oft nahe legen, dass wir die Stoßdämpfer erneuern sollten, tun wir das trotzdem nur einmal jährlich pro Auto. Solange die Besucher jedes Schlagloch mit sechzig km/h testen wollen, gehen wir lieber ab und zu schön zum Essen.

Wir sind ein Schwellenland, harrend auf den Sprung in die Erste Welt. Es kann noch ein Weilchen dauern, wir wissen es. Als Vorbereitung dazu hat in den letzten Jahren die Zahl der Autobesitzer ungeheuerlich zugenommen. Außer dem Auto als Ausdruck gehobenen Images und männlicher Lebenslust lag das zum Teil an der Einführung der ‚foreign used'cars, das waren Autos, die gebraucht in Einzelteilen aus Japan verschifft wurden. In Trinidad wurden sie zusammengebaut und dann durfte der Verbraucher zum Preis von 5000 bis 10.000 Euro zuschlagen. Klar war das teuer, aber diese Wagen waren generell in wesentlich besserem Zustand als trinbagonische Gebrauchtautos, die jahrelang als ‚PH Cars' über den Highway gejagt wurden. Zu den Anschaffungskosten kam dann noch eine steuerbedingte Zulassungsgebühr zwischen 4000 und 6000 Euro. Aber wenn man sich ins Gedächtnis rief, dass ein kleiner Neuwagen hier nicht unter 20.000 Euro zu bekommen ist, lohnte sich der Deal auf alle Fälle. Dann schaffte die Regierung die ‚foreign used cars' ab. Sozusagen über Nacht saß man händeringend vor der Wahl, autolos zu werden, am 32-jährigen Oldtimer herumzuschweißen oder als Geschäft pleite zu gehen. Trinbago rebellierte, die Bevölkerung grummelte bedrohlich. Also zog man die ‚Roll on Roll Off' Lösung aus dem Hut. Autos kommen ‚in einem Stück' direkt aus Japan, älter als fünf Jahre dürfen sie auch nicht mehr sein und ein Satz neuer Reifen muss aufgezogen werden. Das macht der Dealer und schlägt es auf den Endpreis. Die Autos rollen in Japan auf das Schiff und in Trinidad wieder herunter. ‚Roll on Roll off'. An sich ist die Lösung recht sinnvoll, nur kosten die billigsten ‚Vehicles' jetzt 8000 Euro, bei einem Durchschnittsverdienst von Euro 600 monatlich ist das schwindelerregend. Dafür kann man sie beim Dealer übers Internet bestellen, das ist fein. Na ja, man kann sich anschauen, was man gerne bestellen würde, das ist fast so unterhaltsam wie Fernsehen. Trotz vorher Erwähntem und halsabschneiderischen Zinsen bei Bankkrediten (10 - 15 %!) sieht man immer mehr Fahrer alleine oder höchstens zu zweit im Auto sitzen. Laut einer statistischen Untersuchung kann Trinidad/Tobago in Relation zur Bevölkerungsanzahl eine der höchsten Autozulassungen weltweit vorweisen.

Gehen wir ein paar Jährchen zurück in der tobagonischen Geschichte und sehen uns an, wie das früher so war. Da war ab dem Moment der Zulassung das Auto sozusagen Allgemeingut. Überall und zu jeder Zeit und Unzeit lauerten Menschen am Straßenrand, die den Fahrer bzw. sein Auto kannten und mitgenommen werden wollten. Man war nie allein oder gar einsam bei Überlandfahrten. Der Beliebtheitsgrad des Fahrers stieg mit der Qualität der eingebauten Musikanlage, damit allerdings auch die Benzinkosten und der Zeitaufwand. Sich als Einheimischer diesem Sozialverhalten entziehen zu wollen, bedeutete, dass man ein asoziales Element war. Daher kam auch die weitverbreitete Sitte, ‚Wegegeld' von Anhaltern zu kassieren, oder die Benzinkasse durch gelegentliche Landfahrten aufzubessern, um nicht hoffnungslos bankrott zu gehen. Anhalter mitzunehmen war trickreich. Wer hatte schon die Nerven und das Herz, eine dreizentnerschwere Oma mit drei Enkelkindern (zwei davon im Kindergartenalter) und fünf riesigen Taschen bepackt NICHT den zwei Kilometer langen, schlaglochübersäten Trampelpfad zu ihrem idyllisch gelegenen Haus auf dem Hügel hinaufzufahren. Wer hätte sodann überstürzt das Weite gesucht, wenn dieselbe Oma freundlich befahl, 'just a moment' zu warten, um Tochter Gloria mitzunehmen, die sich heute zufällig in das gleiche Dorf wie der Fahrer begeben müsse zu ihrem Onkel, dessen bester Freund doch mit einer Cousine des Fahrers verheiratet sei. Nun denn, so wartete man eben. Dass Gloria damals wie heute ein Viertelstündchen brauchte, um sich aufzubrezeln, die Parfumflasche über sich zu entleeren und gemächlich fertigzuessen, verstand sich von selbst. Auf der Weiterfahrt traf man dann Patrick, bereits etwas angetrunken, der behutsam sein zeterndes, altes Mütterchen im Auto verstaute, das die Schwester in Goodwood (das weiße Holzhaus unten an der Bucht, dritte Abfahrt rechts nach dem Ortsschild, Trampelpfad!) besuchen wollte. Seniorenliming. So wurde mit fortschreitender Tageszeit aus der kleinen, ursprünglich geplanten Spritztour zu Kumpel Leroy nach Delaford ein ausgefülltes Halbtagesprogramm. Man konnte ihm nur entgehen, wenn man eine eigene Familie gründete, mit ihr zusammenlebte und herumfuhr. Also blieben die meisten doch lieber hilfsbereite Fahrer. Das bleiben sie immer noch, nur nicht mehr so hilfsbereit. Zeit ist Geld, auch in Tobago. Mit zehn TT$ überlebt man keinen Tag mehr.

Nach der Teilnahme an solch einer Tour war nun ein eher zufällig dazwischen geratener mitfahrender Tourist zwar etwas apathisch ob der Hitze, des Hungers und der verworrenen Familienverhältnisse. Aber er hatte eines begriffen: warum die Frage nach der Zeit vollkommen relativ ist. Es war sozusagen ‚learning by doing', eine praktische Lernerfahrung. Jetzt muss er eben glauben, was ich zu erklären versuche. Die Frage, wann eine bestimmte Person an einem bestimmten Ort einzutreffen gedenkt, wird beantwortet mit ‚in a while' (in einer Weile) oder auch ‚just now' (jetzt gleich, bald). Bei den früheren Überlandfahrten traf es die Inselumstände exakt.

Jetzt steht man im Stau, oder die Uhr ist stehengeblieben und das Handy funktioniert nicht. Der Benzintank der Tankstelle wird gerade aufgefüllt, oder der Strom ist weg und damit funktionieren die Zapfsäulen nicht. Oder ein hundertjähriger Oldtimer zockelt unerbittlich mit 30 km/h vor einem her. Ab Plymouth bis zum Flughafen. Bei immensem Gegenverkehr. Übrigens: auch wenn Sie noch so oft sagen: ‚Das macht doch nichts, wir haben ja Urlaub!' glauben wir Ihnen das einfach nicht. Sie sind mäßig irritiert und versuchen das zu vertuschen.

Der Liming Faktor ist natürlich zeitlos in jedem Sinne. Wenn Sie drei Stunden auf jemanden warten, sind Sie unrettbar irre. Passieren kann es ihnen jederzeit. Sollten Sie es dennoch tun und die Person taucht auf und fragt Sie lächelnd: ‚How are you?', werden Sie nicht handgreiflich. Die Täter sind frei von jeglichem Schuldbewusstsein und wollen mitnichten ironisch sein. Mein Geschäftspartner erteilte mir zahlreiche Lektionen in den konfliktträchtigen Anfängen meines Inseldaseins. Für Sie gilt: warten Sie nicht! Organisieren Sie zuverlässigere Personen, es gibt sie durchaus, man trifft sie nur nicht ‚einfach mal so' beim Liming oder am ‚Beach'. Das liegt in der Natur der Sache, sie sind unterwegs um pünktlich zu sein. Oder geben vorher Bescheid, dass es später werden wird. So wie wir.

Auszüge aus: Inselnachrichten - Tobago ohne Scheuklappen
Copyright 2007 Ulli Jenisch
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